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Jefrey S. Rosenthal / Carl Freytag
Vom Blitz getroffen

Die seltsame Welt des Zufalls
 

Kurzbeschreibung:

Der Zufall ist berechenbar! Wer die Gesetze der Wahrscheinlichkeit und des Zufalls kennt, kann die Chancen und Risiken des Lebens besser einschätzen. Informativ und respektlos: Ein Mathematiker entzaubert die Macht des Zufalls. Wie wahrscheinlich ist es, einer bestimmten Person zu begegnen, im Lotto oder im Kasino zu gewinnen, Opfer einer Krankheit, einer Straftat oder eines Flugzeugabsturzes zu werden? Warum ist es nicht sonderlich erstaunlich, wenn sich auf einer Party zwei Menschen mit demselben Geburtstagsdatum befinden oder wenn wir feststellen, dass unser Nachbar der Vetter des Hausmeisters unseres Bruders ist, wieso ist es noch kein Zeichen für einen Modetrend, wenn wir an einem Tag drei Menschen mit grünen Haaren treffen? Der Mathematikprofessor Jeffrey S. Rosenthal erklärt die Mechanik des Zufalls und zeigt, dass wir zwei Möglichkeiten haben: Opfer des Zufalls zu werden oder zu lernen, ihn zu verstehen. Dann werden wir die besseren Entscheidungen treffen und lernen, den Zufall für unsere eigenen Zwecke zu nutzen. Quintessenz seines verständlichen und unterhaltsamen Buches: Es ist möglich, die Ungewissheiten des Lebens realistisch einzuschätzen.

Dabei habe ich praktisch immer verloren. Nun ja, er rät dazu 6 Stücke zu setzen. Wenn das mal 5 Runden lang ganz nach hinten losgeht, dann hat man schon 30 Jetons verloren. Und ich habe wirklich einiges probiert, aber meistens endete es mit dem Verlust vieler Stücke und nicht dem Gegenteil. Ich kann ihnen nur raten, wenn sie das Buch lesen wollen, dann tun sie es, es stehen interessante Dinge darin, aber gehen sie nicht leichtgläubig ins Casino und versuchen nach dem vorgeschlagenen System zu spielen.

Auszug* aus "Vom Blitz getroffen":

Im Dickicht der Wahrscheinlichkeiten

Ich war damals noch Student an der Harvarduniversität, als ich einen Flug zum John-F.-Kennedy-Airport in New York buchte, um dort einige Verwandte zu besuchen. Genau eine Woche vor meinem Flug ereignete sich gerade auf diesem Flughafen ein großes Unglück: Einer Maschine von Avianca gelang beim ersten Anflug die Landung nicht, und beim zweiten Versuch hatte sie nicht mehr genug Sprit und zerschellte am Boden. Es gab 73 Tote.

Zuerst war ich geschockt. Wie konnte ich so kurz nach solch einer Tragödie zum Kennedy-Airport fliegen? Er war bestimmt nicht sicher. Ich würde meine Reise absagen müssen! Um mich wieder etwas zu beruhigen, versuchte ich, das Ganze logisch zu durchdenken. Damals schrieb ich gerade an meiner Doktorarbeit in Mathematik, in der es um die Wahrscheinlichkeitstheorie ging. Meine Untersuchungen waren aber reichlich theoretisch und hatten nichts mit dem Alltagsleben zu tun. Ich fragte mich trotzdem, ob ich nicht doch meine abstrakten Kenntnisse auf die ganz konkrete Situation anwenden könnte. Jede Woche landen ungefähr 5.000 Flugzeuge auf dem Kennedy- Airport, und ich rechnete schnell durch, was man daraus schließen kann. Selbst wenn der Flughafen Schuld an dem Unglück hatte (was wahrscheinlich nicht der Fall war) und selbst wenn ich sicher gewusst hätte (wovon keine Rede sein konnte), dass es auch in der folgenden Woche ein Unglück geben würde, wäre die Wahrscheinlichkeit nur 1 zu 5.000 gewesen, dass es gerade meinen Flug treffen würde. Nun ist eine Wahrscheinlichkeit von 1 zu 5.000 weder besonders klein noch besonders groß, aber sie erschien mir klein genug, um sicher zu sein, dass mit meinem Flug wahrscheinlich alles in Ordnung sein würde. Ich flog wie geplant nach New York und hatte - ein Triumph der Wahrscheinlichkeitstheorie - keinerlei Probleme. In den Jahren nach meinem New-York-Abenteuer wurde mir immer klarer, dass wir ständig mit Situationen und Entscheidungen konfrontiert werden, bei denen Ungewissheiten und der Zufall eine Rolle spielen. Wir sollten versuchen, die Grundregeln der Wahrscheinlichkeitsgesetze zu verstehen und sie auf das Alltagsleben zu übertragen. Das kann uns helfen, mit diesen Situationen sinnvoller umzugehen, unnötige Ängste zu vermeiden, die Chancen zu ergreifen, die uns der Zufall bietet, und schließlich sogar Freude an den Ungewissheiten zu haben, denen wir uns stellen müssen.

Wir Menschen waren vom Zufall schon immer fasziniert - aber gleichzeitig schreckt er uns auch ab. Einerseits kaufen wir Überraschungseier (Ü-Eier, wie der Sammler sagt) und lieben den Nervenkitzel von Blind Dates; wir freuen uns, dass bei einer gerade erblühenden Liebesgeschichte alles offen ist; wir stürzen uns voll Vergnügen auf die Rätsel, die ein guter Krimi bietet, und wir schätzen die Freiheit, die darin steckt, nicht zu wissen, was der morgige Tag bringt. Es ist eigentlich unerklärlich, aber wir lieben seltsame Zusammentreffen und erstaunliche Ähnlichkeiten. Biedere Familienväter verzocken im Glücksrausch Millionen von Euro für Lotterielose, beim Pferderennen und an der Börse. Erwachsene Menschen, müde nach einem harten Arbeitstag, sind glücklich, wenn sie am Abend Karten spielen können oder wenn die Kugel bei einem muntren Glücksspiel rollt. Die Zuschauer begeistern sich in Casablanca nur für Rick Blaine (Humphrey Bogart), dessen Handlungen widersprüchlich und undurchsichtig sind, und nicht für den tapferen, heldenhaften, aber leicht durchschaubaren Victor Laszlo (Paul Henreid).

Auf der anderen Seite hassen wir die dunkle Seite des Zufalls. Krankheiten wie Krebs oder SARS schlagen ohne klares Muster zu, wenn sie Leben zerstören und die medizinische Forschung vor ein Rätsel stellen. Terroristen begehen Attentate, Flugzeuge stürzen ab, Brücken brechen zusammen - und wir wissen nicht, wer das nächste Opfer sein wird. Selbst das Klima kann plötzlich und unerwartet umschlagen und Tod und Verderben bringen - oder einfach nur ein Hochzeitsfest im Freien ruinieren. Erfolgreiche Politiker weichen ungewissen Situationen gewöhnlich aus. Sie wollen nicht den Eindruck gefährden, dass sie alles im Griff haben. Auf diese Weise tragen sie dazu bei, dass wir ihre (und unsere) Unfähigkeit vergessen, gewaltige Ereignisse mit großer Reichweite unter Kontrolle zu haben, die letzten Endes vom Zufall bestimmt werden.

Der Zufall ist oft weder gut noch böse, sondern einfach nur verwirrend. Wir hören von Umfrageergebnissen, die in "19 von 20 Fällen " exakt sind, das heißt nur um 4 Prozentpunkte vom wahren Wert abweichen. Oder wir erfahren von einer Untersuchung, die "beweist", dass ein bestimmtes Medikament gut ist oder eine bestimmte Lebensweise schlecht. Man sagt uns, dass wir "nichts" zu verlieren haben, wenn wir uns ganz nervös mit jemand verabreden wollen, obwohl wir Angst vor einem Korb haben. Man versichert uns auch, dass es "heute mit 40 % Wahrscheinlichkeit regnen wird". Wir werden vor dem Risiko "falscher positiver" Befunde gewarnt, wenn bei uns eine Krankheit festgestellt wurde. Es ist nicht immer klar, wie wir auf solche Wahrscheinlichkeitsaussagen reagieren sollten, ja nicht einmal, was sie wirklich bedeuten.

Amazon-Rezension vom 8. April 2007:

Auf dem Umschlag steht, dass uns dieses Buch im Alltag helfen würde, mit überraschenden Situationen umzugehen, unnötige Ängste zu vermeiden und die Chancen und Risiken des Lebens besser einzuschätzen. Dieses Versprechen mag bei einigen Lesern und in bestimmten Fällen eingelöst werden, ist aber eindeutig zu vollmundig. Denn der Klappentexter vergisst oder unterschlägt, dass der Mensch kein rationales Wesen ist, dass unsere Verhaltensmuster nicht vom Bewusstsein gesteuert werden und dass das neuronale Datenverarbeitungssytem nach anderen Gesetzen arbeitet als der Computer. Und indem Jeffrey S. Rosenthal das Beispiel des Statistikerkongresses aufführt, der wegen Terrorgefahr nicht in Israel, sondern in Spanien durchgeführt wurde, bestätigt er diese These. Denn die Wahrscheinlichkeit, in Israel einem Terrorangriff zum Opfer zu fallen, war kleiner als ganz normale Todesursachen.

Auf das eigene Verhalten wird die Lektüre dieses Buches also kaum Einfluss haben. Aber ich hatte Spass, nicht nur neue Geschichten aus der Welt der Statistik zu entdecken, sondern auch altbekannte neu erklärt zu bekommen. Ausserdem gefiel mir, dass der Übersetzer die amerikanische Version gekonnt europäisierte. Bevor ich in die Komplexität neuronaler Netzwerke eintauchte, hatte ich keine Ahnung von Statistik, Wahrscheinlichkeiten und dem Zufall. Aber obwohl ich mir darüber in Laufe der Jahre ein akzeptables Grundwissen aneignete, fehlten mir in Rosenthals Buch oft zusammenfassende Erläuterungen zu den wesentlichsten Regeln und Gesetzen. Unbedarftere Leser werden dies wohl noch mehr vermissen. Und so führt diese Lücke dazu, dass ich dem Buch nicht die Maximalnote verleihe, obwohl mich die Auswahl der Beispiele ebenso überzeugte wie die verständliche Sprache.

Mein Fazit: Kein Buch, das den Alltag des Lesers wesentlich erleichtern würde. Aber eine tolle Sammlung von Beispielen aus der Welt des Zufalls. Der Autor verpackt die Probleme in nachvollziehbare Geschichten und formuliert die Lösungen so, dass man sie mit einem Grundwissen in Statistik nachvollziehen kann. Und wem dieses Wissen fehlt, der erhält wenigsten interessanten Stoff für Smalltalks.

Durchschnittliche Amazon-Kundenbewertung:

 

* Der Abdruck des Auszugs erfolgt mit freundlicher Erlaubnis von Amazon.